﻿{"id":760,"date":"2021-08-19T22:27:15","date_gmt":"2021-08-19T20:27:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zahorka.at\/?page_id=760"},"modified":"2023-05-14T16:44:40","modified_gmt":"2023-05-14T14:44:40","slug":"lebenslauf-des-scheiterns","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.zahorka.at\/wp\/lebenslauf-des-scheiterns\/","title":{"rendered":"Lebenslauf des Scheiterns"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Erwin Goffmann zitiert in seinem 1959 erschienenen Buch \u201eWir spielen alle Theater\u201c den bemerkenswerten Absatz:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>\u201eEs ist wohl kein historischer Zufall, da\u00df das Wort \u00bbPerson\u00ab in seiner urspr\u00fcnglichen Bedeutung eine Maske bezeichnet. Darin liegt eher eine Anerkennung der Tatsache, da\u00df jedermann \u00fcberall und immer mehr oder weniger bewu\u00dft eine Rolle spielt \u2026 In diesen Rollen erkennen wir einander; in diesen Rollen erkennen wir uns selbst\u201c <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Umso wichtiger erscheint es mir zu reflektieren, wann, wie und wof\u00fcr meine Inszenierung der eigenen Rolle stattfindet. Inspiriert vom britischen Psychologen Nicholas Holmes, welcher auf Twitter seine eigenen Publikationen im Nachhinein kritisch evaluierte, m\u00f6chte ich seinem Gedanken folgend mit dem nachstehenden Lebenslauf des Scheiterns insbesondere auf die zahlreichen Misserfolge im Rahmen meiner bisherigen T\u00e4tigkeit hinweisen.<br>Im Rahmen meiner berufsbildenden h\u00f6heren Schullaufbahn (BHAK) war der Aufstieg in die jeweils n\u00e4chsth\u00f6here Schulstufe stets gef\u00e4hrdet. So war zwar meine Maturaleistung in Deutsch meinem Lehrer nach die &#8222;Beste&#8220; der vergangenen Jahre, dennoch aber nicht ausreichend. Ich durfte also in der m\u00fcndlichen Maturapr\u00fcfung beweisen, dass ich der allgemeinen Hochschulreife w\u00fcrdig war.<br>Nach dem erreichten positiven Abschluss w\u00e4hlte ich angesichts meiner vorherrschenden beruflichen Ideenlosigkeit zun\u00e4chst das Studium der Wirtschaftsinformatik als vermeintliche passende Alternative. Innerhalb weniger Wochen musste ich erkennen, dass neben dem schlecht gew\u00e4hlten Zeitpunkt des Studienbeginns, insbesondere die Inhalte eine \u00dcberforderung darstellten. So scheiterte ich im Gegensatz zu meinen Mitstudierenden bereits an den \u201eeinfachsten\u201c \u00dcbungen und Aufgaben. Das f\u00fcr den Studienerfolg n\u00f6tige Wissen konnte und wollte ich mir nicht aneignen. Letztlich brach ich den Studienversuch nach weniger als einem Semester erfolglos ab.<br>Die w\u00e4hrenddessen begonnene Ausbildung zum Rettungssanit\u00e4ter konnte ich zwar abschlie\u00dfen, im Ergebnis hatte ich allerdings weder ausreichend Routine noch theoretisches Wissen auf meiner Landdienststelle gesammelt, um eine ad\u00e4quate Patient:innenversorgung zu leisten. Auch eine einmalige Bewerbung als Urlaubsvertretung und die Idee einer m\u00f6glichen beruflichen T\u00e4tigkeit scheiterte. Dieser Zustand der geringen Ausbildung sollte sich innerhalb der folgenden acht Jahre kaum \u00e4ndern. Die aufbauend auf meine Rettungssanit\u00e4ter &#8211; Ausbildung angedachte Bewerbung zum Notfallsanit\u00e4ter im Jahr 2012 scheiterte bereits an der Aufnahmepr\u00fcfung.<br>Nach einem gescheiterten Versuch in der Privatwirtschaft, wo ich 2010 drei Wochen lang in einem nationalen Logistik Unternehmen arbeitete und einer darauffolgenden T\u00e4tigkeit als Hilfskraft in einem Seniorinnenheim 2011, kam ich nur durch einen Tipp auf das Bachelorstudium Soziale Arbeit. Die Entscheidung f\u00fcr das Studium Soziale Arbeit habe ich bis heute nicht bereut.<br>Wieder war es der Zufall, der mich f\u00fcr das Masterstudium Sozialarbeit, Sozialpolitik und -management nach Innsbruck f\u00fchrte. Die gro\u00dfe Begeisterung f\u00fcr eine intensive Auseinandersetzung mit den Theorien Sozialer Arbeit wurde durch Silvia Staub-Bernasconi geweckt. Den auf den erfolgreichen Abschluss folgenden Enthusiasmus wollte ich f\u00fcr ein Dissertationsvorhaben an der dort ans\u00e4ssigen Universit\u00e4t nutzen. Was folgte war eine weitere Episode des Scheiterns. Weder an der inl\u00e4ndischen noch an europ\u00e4ischen Universit\u00e4t stie\u00df mein Forschungsvorhaben zu Community Response, einer Verkn\u00fcpfung von Gesundheits- und Sozialdiensten mit Fokus auf Rettungsdienstliche Versorgung auf die erhoffte positive Resonanz. Darauf folgte auch eine l\u00e4ngere Phase der Unklarheit meiner weiteren beruflichen Laufbahn, samt zweier negativ verlaufener Bewerbungen f\u00fcr Jobs als Sozialarbeiter.<br>Meine Bem\u00fchungen f\u00fcr die T\u00e4tigkeit als Junior Researcher an der Fachhochschule St. P\u00f6lten waren erfreulicherweise von Erfolg getragen. Nach vier Jahren war es erneut eher der Zufall, der mich \u00fcber ein laufendes Forschungsprojekt zum entscheidenden Kontakt zu meinem derzeitigen Dissertationsbetreuer und dem Doktoratsstudium brachte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote has-border-color has-light-green-cyan-border-color has-black-color has-text-color has-medium-font-size\" style=\"border-width:19px;border-radius:65px\"><blockquote><p>Insgesamt l\u00e4sst sich also festhalten, dass den vermeintlichen Erfolgen eine wohl nicht minder gro\u00dfe Anzahl an Misserfolgen gegen\u00fcber steht, die es zu erw\u00e4hnen gilt.<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table is-style-regular\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\"><strong>Jahr<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\"><strong>Ereignis<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">2010<\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">Abgebrochenes Studium Wirtschaftsinformatik<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">2010<\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">K\u00fcndigung in Probezeit bei einem Logistikunternehmen<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">2014<\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">Scheitern an der Aufnahmepr\u00fcfung zum  Notfallsanit\u00e4ter<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">2016<\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">Ablehnung als Doktorand an einer nationalen Universit\u00e4t<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">2017<\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">Ablehnung bei zwei ausgeschriebenen Stellen als Sozialarbeiter<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">2018<\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">Ablehnung als Doktorand an einer europ\u00e4ischen Universit\u00e4t <\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erwin Goffmann zitiert in seinem 1959 erschienenen Buch \u201eWir spielen alle Theater\u201c den bemerkenswerten Absatz: \u201eEs ist wohl kein historischer Zufall, da\u00df das Wort \u00bbPerson\u00ab in seiner urspr\u00fcnglichen Bedeutung eine Maske bezeichnet. 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